115th Annual Conference - Honolulu, Hawaii
Friday, November 10 - Sunday, November 12, 2017

Wien – Eine Psychogeographie des Verlustes

Andre Schuetze, Tulane University

Anhand von zwei kanonischen Wiendarstellungen der unmittelbaren Nachkriegsgeschichte, Carol Reeds „The Third Man“ von 1949 und Heimito von Doderers „Die Strudlhofstiege“ von 1951, soll die psychogeographische Darstellung der historischen Verlusterfahrung in der Stadt Wien näher untersucht werden. Dabei soll gezeigt werden, wie die Stadt in diesen Werken wahrgenommen wird und welchen Einfluss die Geographie des urbanen Raumes auf die Psyche der Charaktere hat.

Proposal: 

Wien ist ein Wasserkopf – diesen Satz lernte die österreichische Schriftstellerin Eva Menasse noch in der Schule. Die Hauptstadt Wien, so ihre damaligen Lehrer, sei zu groß für das kleine verbliebene Österreich. Die Habsburgerkapitale ohne Habsburger, die österreichische Hauptstadt ohne Reich und ohne Osten ist wie kaum eine andere Stadt Europas geprägt von ihrer ehemaligen Größe und den Verlusten ihrer Historie. In diesem Vortrag soll die psychogeographische Darstellung dieser Verlusterfahrung in zwei Werken der unmittelbaren Nachkriegsgeschichte näher untersucht werden. Carol Reeds „The Third Man“ von 1949 und Heimito von Doderers „Die Strudlhofstiege“ von 1951 prägen beide bis heute unseren Blick auf die Stadt Wien. Hier soll genauer untersucht werden, wie die Stadt in diesen Werken wahrgenommen wird und welchen Einfluss die Geographie des urbanen Raumes auf die Psyche der Charaktere hat. Obwohl „The Third Man“ und „Die Strudlhofstiege“ ein sehr differenziertes Wienbild abgeben, das kriegszerstörte und zwischen den Alliierten aufgeteilte Wien einerseits, sowie die Stadt der Zwischenkriegszeit, die ihrer Importanz verlustig gegangen ist, andererseits, zeigen beide Werke mit einer kriminalistisch-ironischen Darstellung, auf die historischen Leerstellen hin, die zu erklären und zu deuten sind.

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